Injektionsabdichtung

Sanierung Gleisanlage in Köln

Wenn sich Straßenbahnschienen absenken hat dies unweigerlich aufwendige Baumaßnahmen zur Folge. Wie man Gleisanlagen ohne lange und lästige Betriebsstörungen instand setzen kann, zeigt ein Beispiel aus Köln.

Bei einem gemeinsamen Ortstermin der Kölner Verkehrsbetriebe mit Mitarbeitern des Spezialunternehmens Tricosal staunten die Beteiligten nicht schlecht. In der Zülpicher Straße war die Gleisanlage inmitten der Fahrbahn stark geschädigt. Beim Überrollen durch die Straßenbahn senkten sich die Gleise um bis zu vier Zentimeter. Was war geschehen?

Der mineralische Unterbau der Gleise war durch die ständige Verkehrsbelastung sowie durch Temperaturschwankungen und Frost weitgehend zerstört. Die mangelnde Festigkeit führte bei Belastung der Gleise zu Pumpeffekten, was wiederum das Schadensbild verschlimmerte. Schon beim Ortstermin war klar: Die Gleisanlage muss dringend saniert werden.

Stunden statt Wochen

Um den Regelbetrieb der Bahnen nicht zu stören und längere Verkehrssperrungen zu vermeiden, galt es ein Verfahren zu entwickeln, welches eine möglichst rasche Bauweise ermöglichte. Ziel war es, die Arbeiten während der knapp vierstündigen nächtlichen Pause durchzuführen. Eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Denn die Sanierung solcher Schäden sind enorm aufwendig und ziehen sich gewöhnlich über Wochen hin. Der Asphalt muss weggefräst, der Schienenunterbau ersetzt und anschließend der Asphalt wieder erneuert werden. Das bringt nicht nur die Fahrpläne durcheinander. Es verärgert vor allem auch Fahrgäste, Anwohner und Verkehrsteilnehmer. Und jetzt sollte ein technisches Verfahren die Bauzeit von vier Wochen auf vier Stunden reduzieren. Würde das gelingen?

Innovative Lösung

Hier war ein komplettes Umdenken erforderlich. Es galt eine technische Lösung zu entwickeln, welche das Aus- und Einbauen des Asphalts sowie den vollständigen Ersatz des Schienenunterbaus überflüssig machte. Als innovativen Lösungsansatz brachten die Mitarbeiter von Tricosal das Injektionsverfahren ins Spiel. Ein schnell aushärtendes Injektionsharz wird direkt an die Schadstelle gepresst, um den Untergrund zu festigen. Jetzt war das Verfahren nur noch an die besonderen Anforderungen im Gleisbau anzupassen. Dazu entwickelte das Unternehmen, gemeinsam mit einem namhaften Bauchemie-Unternehmen, ein völlig neues Injektionsharz – Tricosal G 110. Dieses erreicht seine Endfestigkeit von 90 N/mm² bereits nach nur 60 Minuten.

Praxistest erfolgreich bestanden

Der erste Einsatz des neuen Verfahrens erfolgte im Herbst 2018 genau an der Stelle, wo einige Monate zuvor die Baubegehung stattgefunden hatte, nämlich im Bereich der Zülpicher Straße in Köln. Exakt um 22 Uhr wurde die Straße für den Kraftverkehr gesperrt.

Die Mitarbeiter von Tricosal bohrten im Abstand von 50 Zentimetern links und rechts der betroffenen Schienenstrecke Löcher im Winkel von 45 Grad durch die Asphaltschichten bis unter die Schienen. Anschließend setzten sie Lamellenschlagpacker in die Bohrungen.

Nachdem die letzte Straßenbahn gegen ein Uhr nachts die Stelle passiert hatte, begann die Verpressung der Bohrlöcher mit dem Injektionsharz Tricosal G 110. Die Abdichtungsspezialisten pressten das Material mit einer 2K-Injektionsanlage und einem Druck von 5 bar direkt unter den Schienenfuß. Das schnellhärtende Harz füllte dabei alle Hohlräume unterhalb des Schienenfußes aus und stabilisierte die Gleisanlage fest und dauerhaft. Dank des einzigartigen Verfahrens rollten bereits vor Tagesanbruch die ersten Straßenbahnen planmäßig über die sanierten Gleise.

Nach diesem äußerst erfolgreichen Test erfolgte im Frühjahr 2020 die Verpressung weiterer Gleisabschnitte in der Zülpicher Straße. Auch hier wurden die Arbeiten jeweils innerhalb einer Nachtschicht erledigt. Lediglich eine Straßensperrung für den Kraftverkehr von 22 Uhr bis 5 Uhr war hierfür nötig.

Fazit: Imagegewinn

Mit dem speziell für die Sanierung von Gleisanlagen angepassten Injektionsverfahren und dem neu entwickelten Injektionsharz Tricosal G 110 lassen sich Gleisanlagen in Rekordzeit sanieren. Das Verfahren ist schnell und äußerst wirtschaftlich. Sanierungsarbeiten an Gleisen können quasi über Nacht durchgeführt werden. Was früher Wochen dauerte, ist jetzt eine Sache weniger Stunden. Lange Bauzeiten mit aufwendigen Straßensperrungen und Schienenersatzverkehr gehören damit der Vergangenheit an. Die Beeinträchtigung für Fahrgäste, Anwohner und Verkehrsteilnehmer ist auf ein Minimum reduziert. Für die Verkehrsbetriebe bedeutet das einen großen Imagegewinn.

Diese Baustelle wurde von den Mitarbeitern des Tricosal-Standorts-Willich ausgeführt. Beteiligt waren Standortleiter Boris Karczewski sowie das Techniker-Team mit Stefan Bastians, Stavros Pashos und Keven Thönissen.

Fotos: Kölner Verkehrs-Betriebe (1); Tricosal (11)